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Der Darm (das Mikrobiom)

Der Darm (das Mikrobiom) als Ursprung der meisten Stoffwechselprobleme beim Pferd? - Stichwort: “Silent Inflammation“

Stoffwechselprobleme greifen leider nicht nur beim Pferd immer mehr um sich. Direkte Darmprobleme wie Kot- wasser, Dauerdurchfall, Blähungen, aber leider auch chro- nische Lungenprobleme, Allergien aller Art, Hautprobleme wie Juckreiz, Sarkoide oder Mauke und natürlich auch nerv- liche Auffälligkeiten wie Headshaking und Shivering neh- men immer mehr zu und oder betreffen inzwischen Ras- sen, die bis vor einiger Zeit nicht mit diesen Erkrankungen aufgefallen sind, z.B. Ekzem beim Warmblüter. Auch chro- nisch schlechte Leberwerte fallen in diesen Themenkreis. Beim Menschen gilt inzwischen durch unzählige Studien als gesichert, dass ca. 80 - 85 % aller chronischen Erkrankungen ursächlich auf ein verändertes, fehlbesiedeltes Darmmikro- biom zurückzuführen sind. Beim Pferd ist es möglicher- weise sehr ähnlich, auch wenn die Forschung an dieser Stelle kaum stattgefunden hat. Das Mikrobiom, bzw. des- sen Zusammensetzung als möglicher Ursprung der meis- ten chronischen Probleme ist daher auch kaum in der all- gemeinen Wahrnehmung der Tierärzte und Pferdebesitzer präsent. Beim Menschen ist inzwischen gesichert, dass es die so- genannte Darm-Lungen-Achse, Darm-Hautachse, Darm- Leberachse, Darm-Hirnachse gibt. Nach 20-jähriger Erfahrung mit überwiegend aus- therapierten oder x-fach antherapierten Pferden sind wir der Ansicht, dass das Pferd wahrscheinlich sehr ähnlich or- ganisiert ist. Ein Mikrobiom, also die Gesamtheit aller gesunden Darm- keime in einem Dickdarm, ist so einzigartig wie ein Finger- abdruck. Dennoch gibt es innerhalb einer Spezies immer eine sehr ähnliche Zusammensetzung der Mikrobenarten, abhängig von der jeweiligen Ernährung. Ein Organismus ist immer dann besonders gesund, wenn möglichst viele Darmkeime in seinem Dickdarm leben und möglichst viele verschiedene Arten. Also maximale Anzahl und maximale Artenvielfalt ist wesentlich. Auch die Immun- abwehr ist nur dann maximal, denn 80 % aller Immunzellen sitzen im Dickdarm auf den Dickdarmschleimhäuten. Die Immunzentrale organisiert also vom Dickdarm ausgehend alle Immunreaktionen im ganzen Körper. Wenn jetzt Einflüsse von außen die Anzahl der Dickdarm- mikroben und / oder deren Zusammensetzung reduzieren, bzw. verändern, bekommt der Organismus Probleme. Folgenden Einflüsse sind hier zu nennen: – Einsatz von Antibiotika – Magengeschwüre, bzw. die folgende Magenbehand- lung: dies verändert den pH-Wert im Dickdarm und damit die Lebensbedingungen für das gesunde Mikrobiom – Einsatz bestimmter Medikamente wie Entzündungs- hemmer, Sedationen, Narkosen, Wurmmittel – Limitierung von Raufutter(Heu), nötig sind mind. 2 kg pro 100 kg Lebendgewicht und Tag – Unregelmäßige Raufuttergaben, Fresspausen über 2 h – Qualitativ zweifelhaftes Raufutter – Verkeimtes Tränkwasser, z.B. aus Brunnen, Wasser- wagen, -fässern, aber auch aus nicht regelmäßig gewarteten (getesteten und ggfalls. entkeimten) Trink- wasserleitungen – Dauerschmerzen (diese verursachen Stress, dieser wiederum erhöht die Magensäureproduktion) Wenn durch diese äußeren Einflüsse das gesunde Mikro- biom reduziert wird, können sich Fremdkeime ansiedeln, die regelmäßig lebend den Dickdarm erreichen müssen, um als Trainingspartner für die Immunzentrale zu dienen. Diese Fremdkeime werden sich im Dickdarm dann ver-mehren und dauerhaft etablieren zu Ungunsten der gesun- den Darmkeime. Eine klassische Dysbiose kann entstehen. In dieser Situation wird die gesunde Verdauung nicht mehr normal ablaufen können, da zu wenig gesunde, verdauende Bakterien im Darm leben. Bei dieser Art der Verdauung werden ganz grundsätzlich zu viele Abfall- und Giftstoffe gebildet, die permanent die Dickdarmschleimhaut reizen. Wenn dieser Zustand nicht rasch behoben wird, entwickelt sich aus dieser Reizung bald eine chronisch schleichende Entzündung, die sog. Silent Inflammation. Das ist eine Ent- zündung, die meist nicht im Blutbild erkennbar ist, dort bil- det man nur Akutzustände sicher ab. Diese Silent Inflammation erhöht vermutlich, ähnlich wie beim Menschen, die Entzündungsneigung im gan- zen Organismus. Dadurch könnten schwelende, entzünd- liche Prozesse getriggert werden, wie z.B. Arthrosen oder schlecht heilende Wunden oder überhaupt erstmalig auf- tauchen. Aus dieser Silent Inflammation kann ein Leaky Gut ent- stehen, ein undichter Darm. Die Barrierefunktion der

größten aller Körperoberflächen, der Dickdarmschleim- haut, wird unterwandert. Durch diesen undichten Darm wandern, vielfach nachgewiesen beim Menschen, große Eiweißbausteine ins Blut, und zwar in einer Molekülgröße, wie sie der Körper bei intakter Darmschleimhautbarriere gar nicht zulassen würde. Die Immunzentrale erkennt dann aber aufgrund der Übergröße nicht mehr gesundes Nahrungseiweiß, das man überall im Körper benötigt, son- dern nur noch Fremdeiweiß, das es zu bekämpfen gilt. So kommt es vermutlich zu einer permanenten Überreaktion der Immunzentrale, diese ist dauerhaft hyperreagibel. Das kann Konsequenzen für alle anderen Immunzellen im Kör- per haben, die dann natürlich auch ständig überreagieren werden. Auf diesem Wege könnten Allergien der Haut oder Lunge entstehen und selbstverständlich Nahrungsmittel-/ Futtermittelunverträglichkeiten. Natürlich muss man die Haut und Lunge im Falle einer Al- lergie vom Tierarzt behandeln lassen, man muss sich aber klarmachen, dass diese Körperoberflächen, in denen die je- weilige Erkrankung sichtbar wird, nur die Projektionsfläche sind. Die Ursache der Erkrankung sitzt vermutlich, ähnlich wie beim Menschen, im Dickdarm. Auch könnten durch diesen undichten Darm massenhaft Giftstoffe weitgehend ungefiltert ins Blut wandern und die Entgiftungsorgane Leber und Niere dauerhaft belasten. Hieraus könnten dann chronische Mauke, chronische Huf- rehe, chronisch schlechte Leberwerte und durch Toxine im Bindegewebe aufgeschwemmte Pferde, die allzu oft dann als EMS-Pferd gelten, entstehen. Darmfehlbesiedelungen äußern sich auf ganz unterschied- liche Art und Weise. Oft gibt auch nur die Vorgeschichte des Pferdes Auskunft, wo die Ursache des Problems zu su- chen ist. Um den Verdacht therapeutisch abzusichern, empfehle ich unbedingt eine mikrobiologische Untersuchung des Kots des Pferdes. Da aber am Mikrobiom des Pferdes kaum bis nicht geforscht wurde und wird, gibt es bisher keine bis kaum Forschungsergebnisse, die z.B. Verwendung in Labo- ren oder der Tierarztausbildung an den Universitäten fin- den könnten. Wie nun kann der Pferdebesitzer im Verdachtsfalle einer Dysbiose vorgehen? Am Anfang sollte eine Kotprobe gemacht werden. Der Aus- wahl des untersuchenden Labors kommt allerdings ent- scheidende Bedeutung zu. Um sicher und zielführend einen Darm zu sanieren, muss die Art der Dysbiose genau bekannt sein. Wenn das Problem im Darm durch die Kotprobe genau beschrieben ist, kann man einen gezielten Maßnahmen- katalog entwickeln. Dieser enthält immer eine Futter- umstellung: Getreidefrei, frei von Zuckerzusätzen, kräuterfrei, mineral- stoffreich. Der Darm sollte in der Folge saniert werden. Evtl. macht auch eine Entgiftung Sinn. Auf welche Weise, ist abhängig vom derzeitigen Zustand des Pferdes und dem Kotproben- ergebnis. Es gibt nicht die Darmsanierung, die Probleme im Mikrobiom sind vielfältig und immer individuell. Wir bei HBD befassen uns seit 20 Jahren intensiv mit diesen Frage- stellungen. Nehmen Sie gerne Kontakt auf und lassen sich unverbindlich und kostenfrei in einem Kurzgespräch be- raten, um sich einen Überblick über die Situation bei Ihrem Pferd zu verschaffen. Wir betreuen und beraten Sie bei allen Fragestellungen rund um Ihr darmkrankes Tier. Ursachenbeseitigung ist unser Ziel. Nicht Symptomkosmetik. Falls weiterer Beratungsbedarf besteht, kontaktieren Sie mich gerne. Ihre Anja Beifuss, Dipl.-Ing. (FH)

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